+49 (0) 8504/92 20 288 d.giesen@diana-giesen.de
Wider dem Fachkräftemangel

Wider dem Fachkräftemangel

Dem KfW-ifo-Fachkräftebarometer Juni 2021 zufolge meldeten 24,1 % der kleinen und mittelständischen Unternehmen, dass Fachkräftemangel deren Geschäftstätigkeit behindere. Bei den großen Unternehmen waren es 22,9 %. Umfragen im Mittelstand zeigen, dass die Gewinnung von bedarfsgerecht qualifizierten Fachkräften mittlerweile zu den größten Herausforderungen für mittelständische Unternehmen zählt. Schon bis 2040 erwartet destatis einen Rückgang der Erwerbspersonen zwischen 1 und 6 Millionen. Ohne Veränderung wird dieser Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft beeinträchtigen.

Drei Hebel nennt die KfW, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken: 1. Qualifizierte Zuwanderung, 2. höhere Erwerbsbeteiligung, 3. bedarfsgerechte Qualifizierung und lebenslange Weiterbildung. So die Theorie. Doch wie sieht die Praxis aus?

Qualifizierte Zuwanderung

Im Jahr 2019 wanderten 31.220 Nicht-EU-Ausländer mithilfe der Blauen Karte der EU nach Deutschland ein, so das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Einem Szenario des Statistischen Bundesamts zufolge ist selbst bei einer jährlichen Zuwanderung aus dem Ausland von 311.000 Menschen von einem massiven Rückgang der Fachkräfte auszugehen. Wir erinnern uns: Bis 2040 wird ein Rückgang zwischen 1 und 6 Millionen Erwerbspersonen erwartet.

Laut einer OECD-Studie ist Deutschland allerdings nur mäßig für ausländische Fachkräfte attraktiv. Untersucht wurden 35 westliche Industrieländer in den Bereichen Qualität der beruflichen Chancen, Einkommen und Steuern, Zukunftsaussichten, Möglichkeiten für Familienmitglieder, Kompetenzumfeld, Diversität und Lebensqualität, Einreise- und Aufenthaltsbedingungen. Hier belegte Deutschland lediglich Platz 12. Grund für die schlechte Bewertung waren schlechte Nettolöhne, schlechte berufliche Perspektiven, Bürokratie bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und Mitzuwanderung der Familie. Da diese Punkte auch für deutsche Arbeitnehmer bittere Realität sind, wird sich in absehbarer Zeit kaum etwas an dieser Situation ändern.

Höhere Erwerbsbeteiligung

Eine Anhebung der Regelaltersgrenze für gesetzliche Renten soll das Fachkräfteangebot sichern. Bereits heute „dürfen“ Arbeitnehmer bis zu ihrem 67. Lebensjahr arbeiten. Der Sachverständigenrat schlug nun vor, die Regelaltersgrenze flexibel an die Entwicklung der Lebenserwartung anzupassen (derzeit 78,6 Jahre bei den Männern; 83,4 Jahre bei Frauen)  . Von einer Heraufsetzung würden alle profitieren. Arbeitnehmer würden eine höhere Rente beziehen. Der Bundesregierung zufolge wären dies derzeit 6 % für jedes Jahr ohne Altersbezug. Einer Anfrage des Bundestagsabgeordneten der Linken Dietmar Bartsch zufolge arbeiteten zum Stichtag 30. September 2020 mehr als 1,039 Millionen Arbeitnehmer über 65 Jahre. Zirka 600.000 Menschen waren über 70 Jahre alt, 220.00 Menschen sogar mindestens 75 Jahre. Von ihnen waren 208.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Rund 831.000 Ruheständler im Rentenalter waren geringfügig beschäftigt, ca. 19.000 hatten einen Nebenjob. Dazu kommen 411.000 Selbstständige über 65 Jahre (Stand: 2017). Interessante Zahlen, die bei näherer Betrachtung in einem anderen Licht erscheinen.

Thema Altersarmut: Die Politik nimmt die Zahlen der Arbeitenden über 65 Jahre gern als Argument für die Heraufsetzung des Rentenalters. Sie würden gern länger arbeiten, um Selbsterfüllung zu finden, und wären fitter als vorangegangene Generationen. Viele der Berufstätigen über 65 Jahre arbeiten in einem Büro, als Putzkraft, Fahrer, in der Gebäudetechnik, Lagerwirtschaft und der Zustellung. Berufe, die zum größten Teil eher körperlich erschöpfen als erfüllen.

Demgegenüber stehen die Daten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Rund neun Millionen Senioren bezogen monatlich 1.192 Euro monatlich Rente, 15 Millionen Seniorinnen erhielten lediglich 803 Euro monatlich und gelten damit als arm (Einkommen < 1.074 Euro/Monat). Es kann also davon ausgegangen werden, dass Berufstätige über 65 Jahre eher aus finanzieller Not arbeiten.

Bedarfsgerechte Qualifizierung und lebenslange Weiterbildung

Der KfW spricht hier nicht von allgemeiner Weiterbildung, sondern legt den Schwerpunkt auf Weiterbildungen im Bereich der Digitalisierung, dem Gesundheits- und Pflegesektor und der Energie- und Verkehrswende. Laut dem Statischen Bundesamt wurden 2018 von jedem zweiten Unternehmen Weiterbildungen in den Bereichen Kundenorientierung (50 %) und technische, praktische oder arbeitsplatzspezifische Fertigkeiten (52 %) zu den wichtigsten Qualifikationen für die künftige Unternehmensentwicklung gezählt. Gleich darauf folgen Teamfähigkeit (43 %), Problemlösungskompetenz (30 %) und allgemeine IT-Kenntnisse (35 %). Fast zwei Drittel der Unternehmen (64 %) bildeten in technischen, praktischen und arbeitsplatzspezifischen Fertigkeiten weiter. Die Kundenorientierung war mit 27 % Gegenstand der Schulungen, allgemeine IT-Kenntnisse mit 20 % und Teamfähigkeit mit 16 %. Im Bereich Krankenpflege wurden 2019 500 Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung angetreten. Ein Trend, der eindeutig am Bedarf vorbeigeht.

Fazit

Zum jetzigen Zeitpunkt (Stand: 09/2021) funktionieren die vorgeschlagenen Hebel also wenig bis gar nicht. Wäre es dann nicht sinnvoller, andere Hebel zu betätigen, die sich schneller und wirkungsvoller umsetzen lassen? Zum Beispiel:

  1.  Steigerung der Attraktivität von Berufen im Gesundheitswesen und Pflege (besseres Gehalt, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf)
  2. Verbesserung der deutschen Unternehmenskultur -> geringere Abwanderung von Fachkräften in andere Unternehmen, Berufe und Selbstständigkeit
  3. unternehmensinterne Weiterbildungen von Geringqualifizierten zu Fachkräften (Geringqualifizierte bilden sich übrigens wesentlich seltener weiter als Fachkräfte.)
  4. höhere Gehälter
  5. Schaffung von Telearbeitsplätzen, um Fachkräfte zu gewinnen, die familienbedingt ortsgebunden sind. Das ist allerdings eine Sache des Vertrauens, das viele deutsche Unternehmen ihren Arbeitnehmern nicht entgegenbringt.)

Diese Maßnahmen lassen sich schneller umsetzen, sind günstiger und sichern darüber hinaus Wissen im Unternehmen (interne Weiterbildung von Geringqualifizierten).

Wie hilfreich sind Textanalyse-Tools?

Wie hilfreich sind Textanalyse-Tools?

Texter wissen, wovon die Rede ist: Textanalyse-Tools. Immer mehr Content-Agenturen setzen auf den Algorithmus solcher Tools, um Texte zu analysieren und zu optimieren. Wie funktionieren sie? Anhand eines Lesbarkeitsindizes wird der Schwierigkeitsgrad eines Textes bestimmt. Über Merkmale eines Textes, z. B. Länge der Sätze und Wörter oder die Silbenanzahl in Wörtern, sollen Rückschlüsse auf die Lesbarkeit gezogen werden.

Carl H. Björnsson schlug 1968 eine Formel für den Lesbarkeitsindex LIX vor, der sich aus der durchschnittlichen Satzlänge eines Textes sowie des prozentualen Anteils langer Wörter summiert. Auf diese Weise sollte es möglich sein, ungefähr die Schwierigkeit eines Textes einzuschätzen. Je nach Textart variiert der Index:

  •  unter 40: Kinder- und Jugendliteratur
  • 40 bis 50: Belletristik
  • 50 bis 60: Sachliteratur
  • über 60: Fachliteratur

Ein Vergleich eines Textes ohne und mit Textanalyse-Tool soll den Unterschied zeigen. Der Text gehört ist Teil einer Reportage und zählt im entferntesten Sinne zur Belletristik.

Original:

„Während sich Pat, Skip, Jenny und Toby Robinson langsam an das Leben in den Rocky Mountains gewöhnten, träumte im fernen Ostdeutschland ein Chemnitzer Junge davon, in der Einsamkeit Nordamerikas zu leben. Er wollte seine eigene kleine Blockhütte in der Einsamkeit besitzen, mit den Tieren leben, mit ihnen sprechen und ansonsten das Leben genießen. Jahre später, die Mauer zwischen Ost und West war längst gefallen, packte der inzwischen erwachsene Mann seine Siebensachen und verließ Deutschland.

Sein Traum begann mit einem Film. „Familie Robinson“ lockte ihn in die Ferne. Bereits mit der ersten Szene setzte sich in seinem Kopf der Gedanke fest, eines Tages in diesem Land mit der unberührten Natur zu leben. Der groß gewachsene Mann lacht. „Ich habe schon als Kind davon geträumt, nach Kanada auszuwandern.“ So wie die Familie Robinson. Mit drei Kindern aus Los Angeles in die kanadischen Rocky Mountains – in eine Blockhütte am See mit Bergen drumherum. „Und genau so sah mein Traum auch aus“, erzählt Mario G., „eine einsame Blockhütte am See oder Fluss – eingesäumt von Bergen und Wäldern.“ Mit einer schnellen Handbewegung streicht sich der 41-Jährige seine graublonden Strähnen aus dem Gesicht. Seine Haut ist gegerbt von Wind, Sonne und Schnee – von vielen Touren mit Schlittenhunden in Alaska. Man sieht ihm sein Leben in der Natur an. Doch bis er seinen Traum verwirklichte, sollte noch viel Wasser die Chemnitz herunterfließen. Niemand –nicht einmal seine Familie – glaubte daran, dass er Ernst machen könnte. Erst als Mario G. 2006 seine Sachen zusammenpackte und seinen Vater darum bat, ihn zum Flughafen zu fahren, wurde auch seiner Familie klar, dass er ging. „Bis zum letzten Tag haben sie mich beschmunzelt – bis zu dem Tag, als sie mich zum Flughafen fuhren.“

Geändert anhand des Textanalyse-Tools

„Pat, Skip, Jenny und Toby Robinson gewöhnten sich langsam an das Leben in den Rocky Mountains. Zur selben Zeit träumte im fernen Ostdeutschland ein Chemnitzer Junge davon, in der Einsamkeit Nordamerikas zu leben. Er wollte seine eigene kleine Blockhütte in der Einsamkeit besitzen, mit den Tieren leben, mit ihnen sprechen und ansonsten das Leben genießen. Jahre später. Die Mauer zwischen Ost und West war gefallen, als der erwachsene Mann seine Siebensachen packte. Er verließ Deutschland.

Mario G.s Traum begann mit einem Film: „Familie Robinson“ lockte ihn in die Ferne. Bereits mit der ersten Szene verfestigte sich sein Traum. Eines Tages wollte er in diesem Land mit der unberührten Natur leben. Der groß gewachsene Mann lacht. „Ich träumte als Kind davon, nach Kanada auszuwandern.“ So wie die Familie Robinson. Mit drei Kindern aus Los Angeles in die kanadischen Rocky Mountains – in eine Blockhütte am See mit Bergen drumherum. „Und so sah mein Traum aus“. Mario G. lacht. „Eine einsame Blockhütte am See oder Fluss – eingesäumt von Bergen und Wäldern.“ Mit einer schnellen Handbewegung streicht sich der 41-Jährige seine graublonden Strähnen aus dem Gesicht. Seine Haut sieht gegerbt aus von Wind, Sonne und Schnee – von vielen Touren mit Schlittenhunden in Alaska. Das Leben in der Natur zeigt sich in seinem Gesicht. Bis er seinen Traum verwirklichte, sollte noch viel Wasser die Chemnitz herunterfließen. Niemand – auch nicht seine Familie – glaubte daran, dass er ernstmachen könnte. 2006 packte Mario G. seine Sachen zusammen. Er bat seinen Vater, ihn zum Flughafen zu fahren. In diesem Moment wurde seiner Familie klar, dass er ging. „Bis zum letzten Tag beschmunzelten sie mich – bis zu dem Tag, als sie mich zum Flughafen fuhren.“…“

 

Textanalyse-Tool

Fazit:

Nach der Optimierung des Textes anhand des Textanalyse-Tools zeigt sich, dass der Text an Lebendigkeit und Emotionen verloren hat. Auch der Lesefluss ist zum Teil aufgrund der nun sehr kurzen Sätze, fehlender Füllwörter und Modalverben „gestört“. Einige Passagen fließen nicht mehr ineinander über. Die Qualität des Textes leidet.

Textanalyse-Tools können eine Hilfe dabei sein, einen Text für eine bestimmte Zielgruppe zu vereinfachen. Sie berücksichtigen jedoch nicht die Einhaltung des Textflusses und vernachlässigen Emotionen bzw. Eindrücke, die nur über Modalverben, Füllwörter oder auch längere Sätze möglich sind. Nutzer dieser Tools sollten sich daher niemals vollständig auf diese verlassen, sondern ihrem Sprachgefühl vertrauen. Im Zweifelsfall ist es hilfreich, den Text unterschiedlichen Lesergruppen zum Lesen zu geben und anhand dieser Rückmeldungen Verbesserungen vorzunehmen.

Externe Texter briefen

Externe Texter briefen

Vor 10 Jahren war es noch undenkbar, dass Unternehmen Texter für ihre Unternehmenskommunikation einstellen. Erst in den letzten Jahren entwickelte sich ein Verständnis für die Relevanz anspruchsvoller Texte. Dementsprechend groß ist der Bedarf an Textern. Während größere Unternehmen problemlos Stellen für den Textbereich schaffen können, sind kleinere Unternehmen auf externe Hilfe angewiesen. Damit diese reibungslos und ohne Missverständnisse funktioniert, ist ein gutes Briefing notwendig. Nur so kann der Texter ohne Zeitverschwendung seine Arbeit erledigen.

Was sollte ein Briefing enthalten?

1. Name des Unternehmens

Der Name des Auftraggebers gehört grundsätzlich zu einer Beauftragung

2. Name und Kontaktdaten des beauftragenden Bearbeiters

Um Zeit zu sparen, ist es wichtig, dass der Texter den zuständigen Bearbeiter direkt erreichen kann und sich nicht erst durchfragen muss

3. Anlass des Briefings

Ohne konkretes Thema bzw. Anlass weiß der Texter nicht, worüber er schreiben soll.

4. Format und Umfang, in dem der Text/die Texte veröffentlicht wird/werden

Jeder Text besitzt einen anderen Aufbau und Tonalität entsprechend dem Medium, in dem er veröffentlicht wird. In den sozialen Netzwerken herrscht oft ein lockerer Ton, während eine Pressemitteilung, ein Fachtext oder ein Bericht eher einen seriösen Ton anschlägt.

Auch der Umfang ist für den Texter wichtig, damit er den Text entsprechend dem verfügbaren Umfang strukturieren und schreiben kann.

5. Welche Zielgruppe soll damit erreicht werden? Was soll damit erreicht werden? Welches Gefühl soll der Text bei der Zielgruppe hinterlassen?

Ein Text bedeutet Kommunikation. Dafür muss der Texter wissen, wen er anspricht. Nur so kann er den Schwerpunkt auf die Bedürfnisse der Zielgruppe legen und das gewünschte Ziel erreicht werden.

6. Persona

Nur, wer die Zielgruppe kennt, kann zielgerichtet kommunizieren. Daher ist die Kenntnis der Zielgruppe unabdingbar. Am besten gelingt dies mit einer Persona.

7. Wie ist die Tonalität des Unternehmens?

Jedes Unternehmen besitzt seine eigene Sprache. Ein High-Tech-Unternehmen wird einen eher seriösen Ton anschlagen. Ein Start-up setzt auf einen lockeren Zungenschlag. Diese Tonalität muss im Text beachtet werden, um die Unternehmenssprache zu wahren.

8. Deadline für den Erstentwurf

Organisation ist alles. Auch ein Texter benötigt ein Ziel.

9. Deadline für den finalen Entwurf

Siehe oben

10. Recherchequellen/Informationsmaterial aus dem Unternehmen des Auftraggebers

Recherchematerial aus dem Unternehmen hilft dem Texter dabei, sich in das Thema reinzuarbeiten. Auch ein adäquater Ansprechpartner zum Fachthema kann helfen. Natürlich recherchieren Texter ohnehin, wenn sie texten – zumindest gute Texter machen das –, aber es ist hilfreich, wenn vom Unternehmen selbst schon Informationen kommen.

11. Eventuell vorhandene ähnliche Texte

Anhand dieser Beispieltexte kann der Texter sehen, worauf das Unternehmen bei seiner Textarbeit Wert legt.

Aufbau eines Briefings

Gern berate ich Sie zu einem korrekten Briefing. Kontaktieren Sie mich per E-Mail oder per Telefon.

Verständlich schreiben

Verständlich schreiben

Vor einiger Zeit redigierte ich die wissenschaftliche Arbeit eines Doktoranden. Ich kämpfte mich durch 120 Seiten reines Fachchinesisch, formulierte um, strukturierte, machte Anmerkungen und korrigierte. In meinem Fazit für den Doktoranden schrieb ich Folgendes: „Wissenschaftlich zu schreiben, heißt nicht, unverständlich zu schreiben. Wissenschaftliches Schreiben bedeutet, Fachwissen so zu kommunizieren, dass auch ein Laie Ihre Arbeit versteht.“.

Viele Experten sprechen und schreiben „Fachchinesisch“. Mindestens genauso viele Beamte sind in ihrem Amtsdeutsch verhaftet und wundern sich, dass der Hilfesuchende nicht versteht, worum es geht. Auch Juristen neigen zur „Rechtssprache“, was nicht selten zu irritierten Rückfragen der Mandanten führt. Kann man diesen Menschen einen Vorwurf machen? Nein, natürlich nicht. Diese Fach- oder Amtssprache wird ihnen anerzogen – während ihres Studiums oder ihrer Ausbildung. Und hier liegt das Problem. Experten befinden sich unter Experten. Sie sprechen wie Experten und erwarten, dass das jeder versteht. Solange sie unter ihresgleichen sind, ist das unproblematisch. Schwierig wird es, wenn ihre Fachartikel/Erkenntnisse der breiten Öffentlichkeit kommuniziert, diese im Marketing als Verkaufs- oder Expertisen-Text eingesetzt werden sollen oder als Lehrmaterial für Studenten dienen.

Dasselbe gilt fürs Amtsdeutsch. Nicht selten werden Arbeitssuchenden die Unterstützungen gestrichen, weil sie amtliche Schreiben nicht verstanden haben. Ähnlich geht es Mandanten, die Aufforderungen von Anwälten nicht nachkommen, weil ihnen das Schreiben unverständlich war. Mit einer einfachen und verständlichen Sprache würde das nicht passieren.

Einfache Sprache für Experten

Die Medien sind voll mit Berichten über die Wichtigkeit barrierefreier Webseiten. Dabei ist eine einfache Sprache genauso wichtig für die Bewältigung des Alltags, dem Lernen und das allgemeine Verständnis. Einfache Sprache spielt bereits in der Schule eine Rolle. Lehrbücher und Prüfungsaufgaben müssen verständlich sein. Es geht weiter mit der Ausbildung und dem Studium und endet bei alltäglichen Dingen wie Behördengänge, Rechtsstreitigkeiten und Beantragung von finanziellen Hilfen. Immerhin 6,2 Millionen Menschen in Deutschland können laut der Deutschen Welle nicht richtig lesen. Für sie ist eine einfache Sprache unabdingbar. Doch was macht eine einfache Sprache aus? Einfache Sprache…

  • verzichtet auf Fremdwörter oder erklärt diese verständlich,
  • setzt nur ein Komma in einem Satz, d. h. Hauptsatz + Nebensatz,
  • besteht aus Sätzen mit höchstens 15 Wörtern,
  • meidet Abkürzungen,
  • nutzt keine Fachtermini,
  • ist aktiv und nicht passiv,
  • nutzt keine Ironie, Metaphern oder Redewendungen,
  • ersetzt abstrakte Begriffe durch einfache,
  • verwendet bekannte Wörter wie „Geld“ statt „Zahlungsmittel“,
  • nutzt möglichst wenig Substantivierungen,
  • trennt Wortzusammensetzungen mit einem Bindestrich,
  • ist strukturiert,
  • ist der Alltagssprache nah.

Werden diese 13 Punkte beachtet, wird das Verständnis des Textinhalts verbessert und das Kommunikationsziel erreicht. Hier gibt es noch viel Nachholbedarf in Behörden, Schulen, Institutionen und Unternehmen. Nach wie vor verlieren sich viele Autoren in Endlossätzen, Fachbegriffen, Paragrafen und umständlichen Satzkonstruktionen und gehen damit am eigentlichen Zweck Ihres Textes vorbei – zu informieren, zu verkaufen, zu klären.