(und wie Sie sie vermeiden)
Wer ein Fach- oder Sachbuch schreibt, möchte vor allem eines: Expertenwissen vermitteln, Position beziehen und die eigene Zielgruppe überzeugen. Doch nicht selten passiert es, dass hervorragende inhaltliche Gedanken im sprachlichen Dickicht untergehen.
Viele Fachbuchautorinnen und -autoren greifen unbewusst auf Muster zurück, die sie aus dem akademischen Betrieb oder dem internen Unternehmenskontext gewohnt sind. Was in einer Dissertation oder einem internen Bericht funktioniert, führt in einem Fach- oder Sachbuch jedoch oft zu zähem Lesefluss und müden Lesern.
Hier sind die sieben häufigsten Stilfehler in Fachbuchmanuskripten – und wie Sie diese mit einfachen Mitteln korrigieren.
1. Die Passiv-Parade: Wenn Handelnde unsichtbar werden
Das Problem: In wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten wird das Passiv oft genutzt, um eine scheinbare Objektivität herzustellen („Es wurde festgestellt, dass…“). In einem Fach- oder Sachbuch wirkt Dauerpassiv jedoch unpersönlich, abstrakt und extrem ermüdend.
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Schlecht: „Im Rahmen der Restrukturierung wurden durch das Management umfassende Einsparmaßnahmen beschlossen.“
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Besser: „Das Management beschloss im Zuge der Restrukturierung umfassende Einsparmaßnahmen.“
Tipp: Spüren Sie Formulierungen mit werden, wurde oder wurden auf. Fragen Sie sich: Wer handelt hier eigentlich? Benennen Sie das Subjekt und setzen Sie ein aktives Verb ein.
2. Der Nominalsstil: Hauptwörter-Friedhöfe statt Dynamik
Das Problem: Der sogenannte „Substantivstil“ ersetzt lebendige Verben durch eine Aneinanderreihung von Substantiven, meist in Verbindung mit Funktionsverben wie durchführen, erfolgen oder vornehmen. Das bläht Sätze auf und raubt dem Text jegliche Dynamik.
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Schlecht: „Die Durchführung der Analyse der Marktdaten führt zur Ermittlung neuer Wachstumspotenziale.“
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Besser: „Wer die Marktdaten analysiert, entdeckt neue Wachstumspotenziale.“
Tipp: Verben transportieren die Handlung. Wann immer Sie Wörter mit Endungen wie -ung, -heit, -keit oder -nahme sehen, prüfen Sie, ob sich daraus wieder ein griffiges Verb machen lässt.
3. Schachtelsätze und Bandwurmsätze
Das Problem: Komplexe Gedanken verleiten dazu, Nebensatz an Nebensatz zu reihen. Verschachtelte Satzkonstruktionen zwingen die Leserschaft jedoch dazu, Sätze mehrfach zu lesen, um das Satzsubjekt und das Prädikat wieder zusammenzufügen.
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Schlecht: „Da die Implementierung der Software, welche aufgrund veralteter Schnittstellen ohnehin verzögert wurde, tiefgreifende Schulungen erforderte, stieg das Budget deutlich.“
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Besser: „Die Software-Implementierung verzögerte sich durch veraltete Schnittstellen. Weil zudem tiefgreifende Schulungen nötig waren, stieg das Budget deutlich.“
Tipp: Die Richtwert-Regel fürs Sach- und Fachbuch lautet: Ein Gedanke pro Satz. Trennen Sie Nebensätze ab und bilden Sie zwei klare, prägnante Aussagen.
4. Akademisches Imponiergehabe und Fachjargon ohne Mehrwert
Das Problem: Natürlich erfordert ein Fachbuch präzise Begrifflichkeiten. Problematisch wird es, wenn Fachchinesisch oder Fremdwörter nur genutzt werden, um gelehrt zu wirken, oder wenn betriebsinterne Abkürzungen unreflektiert übernommen werden.
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Schlecht: „Eine Reduktion der kognitiven Dissonanz erfolgt präferenznah durch selektive Informationsrezeption.“
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Besser: „Menschen wählen Informationen gezielt so aus, dass sie zu ihrer bestehenden Meinung passen und Zweifel gar nicht erst aufkommen.“
Tipp: Fachbegriffe sind Werkzeuge, keine Dekoration. Erklären Sie zentrale Fachbegriffe beim ersten Auftreten kurz und anschaulich. Ersetzen Sie unnötige Fremdwörter durch klare, allgemein verständliche Begriffe.
5. Schwammige Verben und Phrasenblähungen
Das Problem: Sätze werden oft mit Floskeln und bedeutungslosen Verben gestreckt. Begriffe wie optimieren, fokussieren, Prozesse anstoßen oder Synergien heben sind so übernutzt, dass sie beim Leser keine konkreten Bilder mehr erzeugen.
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Schlecht: „Wir müssen im Hinblick auf die Digitalisierung zukunftsorientierte Weichenstellungen vornehmen.“
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Besser: „Wir müssen unsere Arbeitsprozesse digitalisieren.“
Tipp: Streichen Sie Füllwörter (gewissermaßen, eigentlich, sozusagen, im Grunde) und ersetzen Sie vage Hülsen durch konkrete Verben, die beschreiben, was tatsächlich passiert.
6. Die fehlende dramaturgische Brücke (Der „Fluch des Wissens“)
Das Problem: Als Expertin oder Experte steckt man tief in der Materie. Man setzt gedanklich Schritte voraus, die für die Leserschaft keineswegs selbstverständlich sind. Es fehlen gedankliche Übergänge und Hinführungen.
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Symptom: Kapitel oder Absätze stehen unvermittelt nebeneinander. Es fehlt der „Rote Faden“, der erklärt, warum dieser Aspekt genau an dieser Stelle wichtig ist.
Tipp: Nutzen Sie verknüpfende Absätze und argumentative Brücken. Sätze wie „Nachdem wir die Ursachen analysiert haben, stellt sich die Frage nach der praktischen Umsetzung…“ nehmen die Lesenden an die Hand und halten den Lesefluss aufrecht.
7. Uneinheitliche Tonalität und Perspektivwechsel
Das Problem: Ein Fachbuch schwankt mitten im Text zwischen wissenschaftlicher Distanz („Der Autor vertritt die Auffassung…“), direkter Du-/Sie-Ansprache („Wenn Sie Ihr Team führen…“) und einem distanzierten „Man“.
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Schlecht: „Man sollte hierbei vorsichtig sein. Im nachfolgenden Kapitel zeige ich Ihnen, wie der Leser Fehler vermeidet.“
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Besser: „Seien Sie hierbei vorsichtig. Im folgenden Kapitel zeige ich Ihnen, wie Sie diesen Fehler vermeiden.“
Tipp: Legen Sie vor dem Schreiben fest, welche Haltung und Tonalität Sie einnehmen möchten. Bleiben Sie der gewählten Perspektive (z. B. wertschätzendes, professionelles „Sie“) über das gesamte Manuskript hinweg treu.
Fazit: Sprachliche Präzision schafft Fachautorität
Ein gutes Fach- oder Sachbuch zeichnet sich nicht dadurch aus, dass es kompliziert klingt, sondern dadurch, dass es komplexe Zusammenhänge glasklar auf den Punkt bringt. Wenn Sie Ihr Manuskript gezielt auf diese sieben Stilfehler prüfen, gewinnen Ihre Argumente an Schärfe und Ihre Inhalte an Wirkung.
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