„Wir brauchen kein Lektorat. In Word werden ohnehin die Rechtschreib- und Grammatikfehler angezeigt.“ Diese und andere ähnliche Aussagen kennt wohl jeder Lektor. Dabei ist ein Lektorat vielmehr als „nur“ die Korrektur von Rechtschreibung und Grammatik.

Bei einem Lektorat werden, neben Rechtschreibung und Grammatik, der Stil, der rote Faden und – je nach Textgattung – auch der Plot, die Leserführung und die Textwirkung geprüft und korrigiert. Am Ende steht ein Text, der sowohl den Leser erreicht als auch grammatikalisch und orthographisch korrekt ist.

Bei Fach- und Sachbüchern stehen weitere Faktoren im Mittelpunkt des Lektorats. Fachlektorat müssen deutlich mehr leisten als ein Belletristik-Lektor. Ein Fachlektor muss sein Augenmerk auf fachliche Präzision, logischem Aufbau und zielgruppengerechter Verständlichkeit legen.

Die wichtigsten Prüfbereiche im Überblick:

Sprache & Formales

  • Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung: Die grundlegende sprachliche Korrektheit ist die Basis eines jeden Lektorats.
  • Stil und Ausdruck: Sachbücher sollen informieren, nicht verwirren. Eine blumige oder ausschweifende Sprache ist hier fehl am Platz.
  • Einheitliche Terminologie: Fachbegriffe müssen konsistent verwendet werden, damit kein Widerspruch innerhalb des Textes entsteht.
  • Zitierweise und Quellenangaben: Je nach Fachrichtung (APA, MLA, Chicago, deutsche Zitierweise) werden alle Quellen auf korrekte Angabe geprüft. Das gilt nicht nur wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch für Fach- und Sachbücher, in denen fremde Quellen zitiert werden.

Inhalt & Struktur

  •  Logischer Aufbau und roter Faden: Die Kapitel müssen sinnvoll aufeinander aufbauen; Gedankensprünge, Wiederholungen und inhaltliche Lücken müssen beseitigt werden.
  • Schlüssigkeit der Argumentation: Die Argumentation muss stringent und nachvollziehbar sein. Widersprüche im Text müssen erkannt und behoben werden.
  • Faktische Korrektheit: Fehler oder Ungenauigkeiten in den vermittelten Inhalten müssen aufgespürt werden. Dafür benötigt ein Lektor ausreichend Fachkenntnisse im jeweiligen Themengebiet.
  • Vollständigkeit: Die Gliederung wird auf inhaltliche Vollständigkeit und Abdeckung des Themas geprüft.

Zielgruppe & Verständlichkeit

  • Zielgruppengerechte Darstellung: Ein Buch für Laien wird anders bearbeitet als eines für Fachkreise. Stil und Ansprache müssen zur Leserschaft passen.
  • Erklärung von Fachbegriffen: Kein Fachbegriff darf unkommentiert bleiben; auch ein fachlich versierter Lektor liest den Text stets aus der Perspektive des Zielpublikums.
  • Angemessene Komplexität: Zu stark vereinfachende oder zu hochschwellige Passagen werden identifiziert und zur Überarbeitung markiert.

Formale & redaktionelle Standards

  • Formatierung & Layout: Einheitliche Überschriftenstruktur, Absätze, Tabellen, Abbildungen
  • Gliederung: Logische Abfolge von Einleitung, Hauptteil, Fazit/Schluss 
  • Wissenschaftliche Standards: Korrekte Zitation, Quellennachweise, Fußnoten
  • Klappentext & Metadaten: Ggf. Mitwirkung an Informationstexten für Umschlag und Marketing

Besonderheit: Fachkompetenz des Lektors

Ein entscheidender Unterschied zum Romanlektorat ist, dass der Lektor beim Sach- und Fachbuch selbst über ausreichend thematisches Wissen verfügen muss, um Fehler oder Ungenauigkeiten überhaupt erkennen zu können. Gleichzeitig muss er den Text stets auch mit den Augen eines fachfremden Lesers beurteilen können – insbesondere bei populärwissenschaftlichen Sachbüchern, die ein breites Publikum ohne große Vorkenntnisse ansprechen sollen.

Und zu guter Letzt ist ein Lektor auch Berater, Begleiter, Freund, Seelentröster und stärkster Kritiker – ein Allrounder für den Textbereich.